Aktives Zuhören: 6 Tipps, um ein besserer Zuhörer zu werden

aktives zuhören

Letztes Wochenende bin ich abends mit einem Freund zusammen feiern gegangen. Wir hatten einen richtig guten Abend.

Gutes Essen, gute Getränke und noch bessere Gespräche.

Wir haben sehr intensiv und angeregt miteinander geredet. Wir hatten eine fantastische Unterhaltung und später am Abend bin ich sehr glücklich nach Hause gegangen.

Auf meinem Weg bin ich den Abend noch mal im Kopf durchgegangen, glücklich darüber wie viel Spaß wir hatten.

Doch dann ist mir aufgefallen, dass bei meiner vermeintlichen Unterhaltung mit meinem Freund, ich die ganze Zeit geredet habe.

Das war keine Unterhaltung, sondern ein Monolog.

Ich habe über alles gesprochen. Zurückblickend war ich teilweise sogar richtig überrascht, wie offen ich gewesen bin. Ich habe regelrecht mein Herz ausgeschüttet.

Kennst du das Gefühl?

Mir hat in diesem Moment jemand richtig zugehört. Darauf geachtet was ich gesagt habe.

Und das hat mich glücklich gemacht. Ich habe viel erzählt, mehr als ich sonst erzähle. Ich habe über Sachen geredet, über die ich sonst eher nicht rede.

Vielleicht sogar das ein oder andere Geheimnis preisgeben.

Sicherlich habe ich mich aber meinem Gegenüber geöffnet.

Wenn uns jemand zuhört, ist das eine wunderbare Sache. Und wir fangen an zu erzählen. Mehr und mehr. Wir reden über alles. Berufliches, privates – über uns und unsere Gefühle.

Wir reden über das, was uns auf der Seele liegt, insbesondere wenn wir es sonst keinem erzählen.

Durch aktives zuhören kannst du deine Beziehungen merklich verbessern

Doch wie kommt es, dass wir uns an einem Abend völlig unter Kontrolle haben und uns an einem anderen total öffnen?

Wie bekommst du es hin, dass andere sich dir so öffnen? Dein Kunde dir von seinen wahren Motivationen erzählt, dein Chef mit dir über seine Gefühle spricht?

Die Antwort ist: Durch richtiges Zuhören. Durch aktives Zuhören.

Ein Zuhörer ist ein Geschenk.

Die Welt ist groß und wir haben viel zu häufig das Gefühl, nicht den großen Unterschied zu machen (Hättest du die Finanzkrise verhindern können, oder kannst du Frieden in der Ukraine stiften?).

Umso besser fühlt es sich an, wenn plötzlich jemand unsere Stimme hört.

Uns zuhört.

Ich rede jetzt nicht von dem Gespräch, was du letztens mit deinem Kollegen hattest, während du gleichzeitig deine E-Mails gelesen hast.

Oder das Gespräch mit einem Freund beim Kaffeetrinken, wobei du die ganze Zeit nur mit deinem Handy gespielt hast.

Aktives Zuhören ist eine wunderbare Weise, jede deiner Beziehungen merklich zu verbessern!

Das klingt sehr einfach, ist aber im Alltag viel schwerer als man es mir eingestehen mag.

Wir sind immer abgelenkt.

Gehetzt. Wir überprüfen dauernd unser Handy. Haben immer Angst etwas zu verpassen.

Und so vergessen wir schnell mal unseren Gegenüber.

Umso wichtiger sind uns die Leute, die uns trotz der ganzen Ablenkung wirklich wahrnehmen.

Zuhören ist die Fähigkeit die dich wesentlich von anderen unterscheiden kann.

Möchtest du ein besserer Zuhörer werden?

Hier sind 6 Schritte damit du ein besserer Zuhörer wirst:

1. Möchtest du wirklich zuhören?

Das ist aller Anfang. Der wichtigste Schritt. Normalerweise macht dieser Schritt alleine schon den Unterschied.

Und es ergibt Sinn oder?

Denk darüber nach – wenn jemand über einen potenziellen Job spricht, den du unbedingt haben möchtest. Würdest du zuhören und dir jedes kleinste Detail merken?

Wenn du ein Single wärst und dem Mädchen deiner Träume (oder Mann) den Hof machst – wenn du durch Zufall eine Unterhaltung über sie mithörst, würdest du zuhören?

Du würdest alles wie ein Schwamm aufsaugen.

Der Weg ein besserer Zuhörer zu werden, fängt damit an, die Beziehung genügend wertzuschätzen, sodass du wirklich zuhören möchtest. Wenn dir die Person oder das Thema wirklich am Herzen liegt, wirst du dich dazu disziplinieren können, zuzuhören.

Dabei werden in der Gesprächstherapie 3 wesentliche Elemente unterschieden.

Hören – Hinhören – Zuhören

Auf den ersten Blick mag zwischen diesen Begriffen kein großer Unterschied bestehen. In der Praxis jedoch, ist dieser gewaltig.

Hier erfährst du mehr zum theoretischen Hintergrund: Hören – Hinhören – Zuhören

2. Lasse den anderen aussprechen

Manche Menschen denken, dass sie schneller zuhören können als es tatsächlich der Fall ist. Manche Menschen denken, sie können sogar schneller zuhören, als der andere spricht. Und ja ich bin einer von diesen Menschen.

Wesentlich für richtiges Zuhören ist: Lasse den anderen aussprechen.

Und am besten wartest noch etwas, bevor du etwas sagst.

Das macht einen enormen Unterschied.

Ich merke es viel zu oft, dass ich das Gespräch unterbreche, weil ich zu schnell antworten will.

Nicht nur unterbreche ich meinen Gegenüber, sondern versuche auch seinen Satz zu Ende zu bringen – und scheitere. Was für das Gespräch und meinen Gesprächspartner eher suboptimal ist.

Also auch wenn es schwierig ist: Vervollständige nicht die Sätze des anderen, auch nicht in deinem Kopf!

Gehe nicht davon aus, dass du weißt, was der andere sagst, noch bevor er es sagt. Wir liegen viel zu häufig falsch.

Höre auf vorherzusagen und fange an zuzuhören. Und ja – es dauert manchmal länger. Ein wichtiger Bestandteil des Zuhörens ist es, unseren Gegenüber sein Anliegen in seinen Worten wiedergeben zu lassen. Klingt einfach, ist es aber oft nicht.

Tipp: Warte 5 Sekunden bevor du etwas sagst. Das ist ein Trick von Journalisten. Dadurch gehst du sicher, dass dein Gegenüber seinen Gedanken wirklich zu Ende gebracht hat.

Aber vielmehr wird dein Gegenüber denken, dass er noch dran ist. Dass er noch etwas sagen muss. Und sehr häufig geraten die Leute so ins Erzählen und erzählen und verraten am Ende viel mehr, als sie es eigentlich vor hatten.

3. Schalte einen Gang runter

Um wirklich zuhören zu können, ist es wichtig, jede mögliche Ablenkung zu verhindern. Leg das Telefon beiseite. Schalte den Fernseher aus. Schließe deinen Laptop.

Das ist jetzt nicht die Zeit um allen zu beweisen, dass Multitasking tatsächlich möglich ist.

Ich habe gemerkt, dass es mir sehr hilft, weg von meinem Schreibtisch, in eine ruhige Ecke zu gehen.

Doch manchmal geht es nicht. Manchmal können wir nicht wirklich zuhören. Wenn wir mit unseren Gedanken bei der nächsten Deadline sind oder über etwas anderes nachdenken was uns nicht loslässt, ist es sehr schwierig aufrichtig zuzuhören.

Sei ehrlich. Sag deinem Gegenüber, dass jetzt nicht die beste Zeit ist. Das Gespräch ist dir wichtig und du würdest gerne zu 100% mit den Gedanken dabei sein. Schlage daher einen Termin vor, an dem es dir besser passt.

Richtiges Zuhören braucht Zeit. Nimm sie dir oder verlege das Gespräch auf einen besseren Zeitpunkt.

4. Schaue deinem Gegenüber in die Augen

Achte auf die Körperhaltung deines Gegenübers und schaue ihm tief in die Augen. Achte auf die persönliche Art und Weise, wie dein Gegenüber spricht und auch nonverbal kommuniziert. Das wird dir helfen, ihn wirklich zu verstehen.

Öffne deine Körperhaltung, lehne dich vor. So lädst du deinen Gesprächspartner ein und zeigst ihm, dass du interessiert an seiner Geschichte bist.

Nicke und zeigen dadurch, dass du zuhörst. Auch bestätigende Laute wie “mhh”, “ja”,”ok” sind ideal um deinen Gegenüber zu zeigen, dass du zuhörst.

Tatsächlich sind diese Laute tief in die Art und Weise wie wir kommunizieren verankert.

Möchtest du testen wie sehr?

Ok, dann bleibe einfach still, wenn dir jemand am Telefon etwas erzählt.

Schon nach kurzer Zeit wird er fragen: ”Bist du noch da?”

Hier erfährst du mehr zum Thema: Nonverbale Kommunikation: 14 Arten um Menschen sofort zu beeinflussen

5. Beurteile später

Jetzt gerade geht es darum zuzuhören. Ich merke es selber, dass ich häufig schon die Anfänge des Gesagten innerlich kommentiere (“Meint er das ernst?”).

Doch sobald ich meinen inneren Dialog anfange, höre ich auf richtig zuzuhören.

Wenn dich etwas stört oder alarmiert, mache eine Notiz. Aber bleibe bei dem Gespräch. Du hast später Zeit darauf zu antworten. Gib deinem Gegenüber die Möglichkeit, sich zu erklären.

Jetzt willst du zuhören. Dies ist keine Debatte oder ein Wettbewerb. Daher lasse dir Zeit und verschiebe deine Reaktionen auf später.

Stattdessen, versuche die Gefühle deines Gegenüber nachzuvollziehen. Sei emphatisch.

Luise Köhler von absolventa.de schreibt:”Meinungen respektieren heißt nicht, die Meinungen auch zu akzeptieren. Auch wenn Du Dich als aktiver Zuhörer auf das Gesagte Deines Gesprächspartner einlässt und seine Meinung respektieren sollst, bedeutet das nicht, dass Du die Meinung auch selbst annehmen musst.

6. Stelle Fragen

Das ist der ultimative Test, ob du verstanden hast, was dir dein Gesprächspartner sagen wollte. Der ultimative Test, ob du zugehört hast.

Doch auch wenn du dir unsicher bist – frage! Verschaffe dir Klarheit. Fragen zu stellen ist einer der besten Wege, deinem Gegenüber zu zeigen, dass es dir wichtig ist und du wirklich zuhörst. Und es hilft auch Missverständnisse zu vermeiden.

Neben Fragen ist Paraphrasieren (das Gesagte in eigenen Worten wiedergeben) entscheidend, um zu zeigen, dass man verstanden hat worum es dem anderen geht.

Wie häufig ist es dir schon passiert, dass du eine Aufgabe von deinem Chef anders verstanden hast, als er es meinte?

Wiederhole deine Aufgabe einfach in deinen eigenen Worten:

Wenn ich dich richtig verstanden habe möchtest du, dass …”; “Meintest du, dass …” oder “Nur um mir Klarheit zu verschaffen, du möchtest, dass…

Sehr häufig kommen so noch die ein oder anderen Details heraus, die sonst untergegangen wären. Gleichzeitig verhindert man Missverständnisse auf der Basis “Das war doch klar, dass die Aufgabe keine hohe Priorität hat.

Soviel zum besseren Zuhören. Ich weiß nicht wie es dir geht aber ich kann mich immer noch auf diesem Gebiet verbessern.

Welche Tipps hast du, um ein noch besser Zuhörer zu werden?

 

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Bildquelle: Flickr/Steven Shorrock

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